Was bei der Wohnungsübergabe zu beachten ist

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Was bei der Wohnungsübergabe zu beachten ist - Foto: mastersenaiper / pixabay.com

Die Wohnung ist gekündigt, die neue wartet, die Kisten sind gepackt und bereit zum Abtransport. Dann kommt der Moment der Übergabe: Wenn der Vermieter nichts zu beanstanden hat, ist alles in Ordnung – fürs Erste. Was aber, wenn im Nachhinein Beanstandungen wegen Mängeln kommen? Oder wenn der Vermieter sich schon bei der Übergabe beschwert?


Streitigkeiten schon vor der Übergabe vorbeugen

Natürlich sollten Sie in erster Linie dafür Sorge tragen, dass Sie die Wohnung auch wirklich in vertragsgemäßem Zustand zurück geben, also Mängel beheben, die Sie verursacht haben und die vereinbarten Schönheitsreparaturen durchführen. In jedem Fall lohnt es sich, vor dem Auszug noch einmal einen Blick in den Mietvertrag zu werfen.

Grundsätzlich gilt: Informieren Sie sich über die aktuellen Urteile und Rechtsprechungen. Wenn eine Forderung nicht der aktuellen Rechtslage entspricht, ist es auch egal, ob diese in einer Klausel Ihres Mietvertrages geregelt ist und Sie dafür unterschrieben haben. Hier steht das allgemein gültige Recht immer über einzelnen, unwirksamen Klauseln.

Keine Schönheitsreparaturen bei unrenovierten Wohnungen

Der Vermieter kann nur Schönheitsreparaturen vom Mieter verlangen, wenn dieser die Wohnung in einem renovierten Zustand übernommen hat, oder er den Mieter zu beginn für die Renovierungsmaßnahmen entschädigt hatte. Wenn der Mietvertrag trotz allem eine Klausel beinhaltet ist diese ungültig.

Streichen: nur in bedingten Fällen

In der Rückgabeklausel wird im Allgemeinen festgelegt in welcher Farbe die Wohnung zurückzugeben werden muss. Dann muss sich der Mieter an die entsprechende Vorgabe halten. Wurde keine Rückgabeklausel im Vorhinein definiert, muss der Mieter lediglich die Wohnung in einer hellen Farbe zurückgeben. Er kann in diesem Fall auch nicht dazu gezwungen werden die Wohnung weiß zu streichen.

Selbst ist der Mieter – Schönheitsreparaturen ohne Firma

Sollten die eben genannten Punkte nicht auf Sie zutreffen und Sie müssen vor Ihrem Auszug doch noch die ein oder andere Schönheitsreparatur durchführen, dürfen Sie dies auch im Alleingang machen. Sicher fragen Sie sich jetzt: Warum auch nicht?! Aber tatsächlich machen einige Vermieter für Schönheitsreparaturen die Vorgabe, dass diese lediglich von Profis, also zum Beispiel von einer Maler-Firma, gemacht werden dürfen. Diese Vorgaben sind unzulässig. Die einzige Bedingung ist, dass die Reparaturen “fachgerecht” ausgeführt werden – unabhängig davon, ob sie wirklich jemand vom Fach macht.

Leichte Kratzer im Fußboden sind kein Problem

Leichte Kratzer im Parkett, Druckstellen von Möbeln oder Abnutzungsspuren des Fußbodens durch den langen Gebrauch müssen vom Vermieter akzeptiert werden. Die Sanierung des Fußbodens gehört damit auch nicht zu den Schönheitsreparaturen. Anders sieht das bei Schäden aus, die über normale Gebrauchsspuren hinausgehen, wie beispielsweise Weinflecken oder Brandlöcher: Hier müssen Sie für den entstandenen Schaden aufkommen und ihn beseitigen.

Abnutzung müssen toleriert werden

Wenn viele kleine Defekte in der Wohnung vorhanden sind, dann darf der Vermieter Sie, nach Auffassung der Gerichte, nicht zur Kasse bitten. Denn diese kleinen Defekte zählen zur normalen Abnutzung: Für ein fehlendes Flaschenfach im Kühlschrank oder einen verkalkten Duschkopf darf der Vermieter keinen Schadenersatz fordern.

Grundreinigung ist nicht nötig

Wenn im Mietvertrag von einer “Besenreinen Übergabe” die Rede ist, muss die Wohnung auch nur so übergeben werden. Es ist vollkommen ausreichend, wenn der Mieter die Wohnung ordentlich kehrt und grobe Unreinheiten entfernt. Auch die Fenster müssen Sie nicht noch einmal putzen – lediglich Klebereste oder Dekoration entfernen.
Auch der Keller sollte für die Übergabe leer geräumt sein. Besenrein heißt hier auch: Spinnenweben entfernen.

Forderungen nach Rückgabe der Wohnung

Wenn die Wohnungsübergabe scheinbar problemlos verlaufen ist, der Vermieter später aber plötzlich doch Forderungen wegen vermeintlicher Mängel stellt, ergibt sich für Sie als Mieter eine ziemlich schwierige Lage. Denn auch, wenn Sie sich sicher sind, dass die beanstandeten Mängel bei Ihrem Auszug aus der Wohnung noch nicht vorlagen, sondern beispielsweise ein Handwerker oder der Nachmieter den Schaden verursacht hat, ist es sehr mühselig, langwierig und oft schlicht unmöglich, dies auch zu beweisen. Wenn keine Einigung erzielt werden kann, endet die anfangs unkomplizierte Wohnungsübergabe nicht selten vor Gericht.

Wohnungsübergabeprotokoll sorgt für Klarheit

Der beste Weg sich vor unrechtmäßigen Forderungen zu schützen ist, wenn Sie ein Sachverständigengutachten oder ein vom Vermieter unterschriebenes Wohnungsübergabeprotokoll vorlegen können. Am besten ist es, die Wohnung vor der Übergabe gemeinsam mit dem Vermieter zu besichtigen und sich anschließend bescheinigen zu lassen, dass die Räume in vertragsgemäßem Zustand zurückgegeben wurden. Hat der Vermieter das Wohnungsübergabeprotokoll einmal unterzeichnet, kann er Sie später nicht mehr für eventuelle Mängel zur Verantwortung ziehen.

Kann oder will der Vermieter keine gemeinsame Besichtigung durchführen, können Sie auch einen Fachmann dazu holen, der den ordnungsgemäßen Zustand der Wohnung bestätigt. Ist auch das nicht möglich, sollten zumindest sonstige Zeugen die Wohnung sehen. Auch Fotos zu machen ist sinnvoll, falls Sie später auf Beweise angewiesen sein sollten.

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