Welcher Baustoff soll es sein?

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Welcher Baustoff soll es sein? - Foto: PublicDomainPictures / pixabay.com

Ein Haus bauen ohne Baustoffe? – Unmöglich! Doch während früher die Bauwerke noch aus einfachen und leicht verfügbaren Materialien wie Holz, Lehm oder Stein bestanden, gibt es inzwischen eine große Auswahl an Baustoffen mit den unterschiedlichsten Eigenschaften.

Die Vielfalt der Baustoffe bringt für Bauherren natürlich auch die Qual der Wahl. Für jede denkbare Anwendung beim Hausbau, seien es Muschelkalk-Bausteine oder Beton für die Konstruktion, gibt es verschiedenste Baustoffe.

Die Benutzung und das Vorhandensein von Baustoffen hängen zudem vom Stand der technischen Entwicklung, von kulturellen Gegebenheiten und Traditionen ab. Heutzutage sind die Nachhaltigkeit und der schonende Umgang mit Rohstoffen und Umwelt wichtige Aspekte bei der Entscheidung für einen speziellen Baustoff.

Prinzipiell kann man Baustoffe in organische und anorganische Baustoffe unterscheiden. Bei organischen Baustoffen handelt es sich dabei in erster Linie um pflanzliches Material wie zum Beispiel Holz, allerdings spielen diese Materialien im Bauwesen inzwischen eine eher untergeordnete Rolle. Heutzutage wird größtenteils mit anorganischen Stoffen gearbeitet.

Beton

Er ist der meistverwendete Baustoff der Welt. Beton besteht aus Wasser, Zement (gebrannter und gemahlener Kalkstein und Ton) und – als so genannte Gesteinskörnung –  Sand und Kies. Der Zement spielt dabei die entscheidende Rolle, denn er bildet zusammen mit dem Wasser den Zementleim, der die Gesteinskörnung verbindet und dadurch erst ein hartes Gestein entstehen lässt. Beton ist aber nicht gleich Beton. Auf die Mischung kommt es an. Denn durch die Vielfalt der Mischungen lassen sich die Eigenschaften des Betons den jeweiligen Anforderungen anpassen.

Beton ist wirtschaftlich und vielseitig. Er ist der Baustoff der kurzen Wege. Dafür sorgen ein dichtes Netz von Betonwerken sowie die örtliche Verfügbarkeit von Zuschlägen. Neben der Verarbeitung als Ort- bzw. Transportbeton, erweitert ein vielseitiges Spektrum von Betonfertigteilen die Möglichkeiten beim Bauen. Im Ergebnis bedeutet dies kurze Bauzeiten und geringe Baukosten. Im Wohnungsbau lässt sich mit Beton jedes Gewerk vom Wasserundurchlässigen Keller bis zum massiven Dach realisieren.

Porenbeton

Porenbeton gehört zu den beliebtesten Materialien im Baugewerbe. Vor allem durch seine Qualitäten wie geringes Gewicht, hoher Festigkeit und guter Wärmedämmung ist er bei Selbstbauern äußerst beliebt.

Hergestellt wird der Porenbeton aus Quarzsand, Zement und / oder Kalk als Bindemittel. Unter der Zugabe von Wasser werden die Rohstoffe gemischt und später mit Aluminiumpulver oder –paste versetzt. Das Aluminium wirkt durch die Bildung von Wasserstoffgas-Bläschen porenbildend und schäumt die Mischung auf das etwa fünffache seiner ursprünglichen Menge auf. Im Endzustand besteht ein Porenbetonblock nur zu etwa 20 Prozent aus Feststoffen und zu 80 Prozent aus Luft.

Porenbeton gilt als umweltfreundlicher Baustoff mit ausgesprochen guter Ökobilanz. Bei der Herstellung ist der Anteil der genutzten Rohstoffe relativ gering, mit einem m³ Ausgangsstoff erhält man 5 m² Porenbeton. Zudem wird bei der der Herstellung vergleichsweise wenig Energie benötigt und es fallen auch keine umweltbelastenden Nebenprodukte an.

Zu den herausragenden Eigenschaften des Porenbetons gehört die Wärmedämmung. Angesichts der immer weiter verschärften Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden ist die geringe Wärmeleitfähigkeit ein entscheidender Pluspunkt beim Porenbeton. Dabei lassen sich durch die Struktur des Materials auch die gefürchteten Wärmebrücken vermeiden, die für Wärmeverlust sorgen und Schimmelbildung begünstigen.

Als einer der wenigen Nachteile des Porenbetons gilt das Problem der Feuchtigkeitsaufnahme, da er durch die Porenstruktur im Vergleich zu anderen Baustoffen relativ leicht Wasser aufnimmt und dieses auch nicht sofort wieder abgibt.

Holz

Es ist einer der natürlichsten und ökologischsten Baustoffe überhaupt. Im Bauwesen oder bei der Fertighaus-Herstellung erfüllt Holz eine ganze Fülle von Funktionen. So kann es durch seine hervorragenden physikalischen Eigenschaften beim Bau von Häusern als konstruktives, dämmendes oder optisches Element eingesetzt werden.

Für das Holz sprechen zuallererst seine vielfältigen und hervorragenden Eigenschaften als Baumaterial. Je nach Holzart, Wuchs – Standort, Baumalter und anderen Faktoren besitzt es eine breite Palette an optischen, biologischen und technischen Eigenschaften.

Im Bauwesen kommt Holz für verschiedenste Zwecke zum Einsatz. Auch wenn der Anteil der komplett aus Holz gebauten Häuser sehr gering ist, kommt generell kaum ein Rohbau ohne den Baustoff aus. Insbesondere Dachkonstruktionen werden auch heute noch meist aus Holz gefertigt.

Seine besonderen baubiologischen Eigenschaften wie hohe Festigkeit bzw. Steifigkeit bei gleichzeitig vergleichsweise geringem Gewicht, der hohen Tragfähigkeit und Beständigkeit, verdankt das Holz der Verbindung von luftgefüllten Zellen, Zellulose und dem Lignin, das alles zusammenhält.

Gute Wärmedämmung als positive Eigenschaft kommt ebenfalls dazu.

Auch die zunehmende Bedeutung des Klimaschutzes rückt das Holz als äußerst ökologisches Baumaterial wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Seine gute Ökobilanz verdankt der Rohstoff aber nicht nur dem Fakt, dass er nachwachsend und damit praktisch unendlich verfügbar ist, sondern auch der energie- und umweltschonenden Verarbeitung.

Lehm

Lehm ist ein sehr traditioneller Baustoff. Bereits im alten Ägypten wurden luftgetrocknete Lehmziegel zum Bau von Häusern eingesetzt.

Der Baustoff setzt sich aus mehreren verschiedenen Materialien zusammen, darunter Ton, sehr feiner Sand (Schluff) sowie Steine oder Kies. Die Mischung dieser Bestandteile kann regional variieren, was auch die Eigenschaften des Lehms je nach Abbauort beeinflusst. Somit ist klar, dass es sich bei Lehm auch nicht um einen genormten Baustoff handelt. Um ihn zu verarbeiten, muss er zuerst angefeuchtet und dann in Form gebracht wird. Dabei ist vor allem auf das richtige Mischungsverhältnis zu achten, denn er bröckelt leicht, wenn er zu viel Sand enthält, während er durch zu viel Ton leicht Risse bekommt.

Einer der herausragenden Eigenschaften des Lehms ist sein hohes Wärme- und Wasserspeichervermögen. Er kann somit die Luftfeuchtigkeit der Raumluft regulieren und stabilisieren, indem er die Feuchtigkeit aufnimmt und bei Bedarf wieder abgibt.

Zu einem guten Raumklima gehört auch eine wohlige Wärme – und auch dafür kann der Lehm sorgen, da er sich als guter Wärmespeicher präsentiert. Selbst die ökologischen Eigenschaften des Lehms sprechen für sich. So wird zur Herstellung des richtigen Gemischs und dessen Verarbeitung nur wenig Primärenergie benötigt, zudem gilt Lehm als schadstofffrei und hautfreundlich, wirkt antibakteriell und ist vollständig recycelbar.

Zu den wenigen Nachteilen des Lehms gehört allerdings, dass er nicht wasserfest ist. Ohne größeren Aufwand wie der Anbau eines überstehenden Daches, Schutz gegen Spritzwasser oder aufsteigende Nässe oder durch Oberflächenbehandlung sollte er nur im Gebäudeinnern verarbeitet werden.

Estrich

Bevor Sie in Ihrem neuen Heim mit der Verlegung des Bodens beginnen, muss dieser zuerst vorbereitet werden. Als Unterlage für weitere Fußbodenbeläge wird hierzulande meist ein Estrich als Ausgleichsschicht benutzt, da die rauen und unebenen Oberflächen von Massivdecken oder Betonböden in den meisten Fällen ungeeignet für die Verlegung des Bodenbelags ist. Wie bei den meisten Materialen gibt es auch beim Estrich eine große Auswahl an Estricharten.

Zement-Estrich

Der Zement-Estrich ist mit knapp 50% Marktanteil, die weitverbreitetste Estrich-Art in Deutschland. Für ihn sprechen seine hervorragenden Eigenschaften und die umfassenden Einsatzmöglichkeiten. Er kann im Innen- und Außenbereich verlegt werden, da er gegen Feuchtigkeit unempfindlich ist und eine gute Festigkeit besitzt. Allerdings sollten Sie bedenken, dass Zement-Estrich erst nach 20 bis 30 Tagen belegreif ist.

Zement-Estrich besteht aus einer Mischung von Zement, Wasser und Sand. In manchen Fällen kommt noch ein Hartstoffzuschlag dazu.

Anhydrit-Estrich

Der Anhydrit-Estrich gilt als ökologisch unbedenklich, benötigt eine kürzere Bauzeit und ist früher begehbar. Für private Bauherren ist er interessant, weil er sich auch ohne große körperliche Belastungen verarbeiten lässt.

Als Anhydrit-Fließestrich ist er besonders als Heizestrich geeignet, da er spannungsarm und nicht brennbar ist, zudem leitet er Wärme gut weiter und speichert Wasser.

Für den Außenbereich und in Nassbereichen ist er dagegen nicht geeignet, da er als feuchtigkeitsempfindlich gilt. Auch als Verbund-Estrich bei Dampfdiffusion aus dem Untergrund und als Nutzestrich ohne Belag darf er nicht benutzt werden.

Anhydrit-Estrich setzt sich aus Wasser, Sand, Kies und Bindematerial zusammen.

Gussasphalt-Estrich

Gussasphalt-Estrich gehört zu den Estrich-Arten mit einem eher geringen Marktanteil. Der aus Bitumen bzw. Bitumen mit Naturasphalt, Splitt, Sand und Füllmaterial bestehende Estrich, kann Witterungs- und Temperaturunabhängig verlegt werden. Nach dem Erkalten kann ohne längere Verzögerungen mit den weiteren Arbeiten begonnen werden, da er bereits nach einem Tag belegreif ist. Zu seinen Vorzügen gehört der gute Schall- und Wärmeschutz, zudem ist er wasserfrei und dampfdicht. Er eignet sich daher auch für den Einsatz in Nassräumen, staubt und riecht nicht.

Magnesia-Estrich

Magnesia-Estrich hat genauso wie Gussasphalt-Estrich einen geringen Marktanteil, er wird auch nur durch spezialisierte Firmen ausgeführt. Er besteht aus einer Mischung von Magnesia, wässriger Lösung und einem Zuschlagstoff (z.B. Textilfasern, Papier-Korkmehl, Weichholzspäne oder Quarzsand).

Durch seine Eigenschaften ist er vielmehr für spezielle Aufgaben geeignet. So kann er für Antistatikböden genutzt werden, da er fast komplett staubfrei und elektrisch leitfähig ist. Indem er auch gegen äußere Einwirkungen wie Stöße oder Schläge sehr widerstandsfähig ist, kann er für Böden mit hohen mechanischen Belastungseinwirkungen genutzt werden. Zudem dämmt er Schall und Wärme zuverlässig.

Magnesia-Estrich ist zwar gegen Lösungsmittel, Treibstoffe und Öle relativ unempfindlich, dauerhafte Feuchtigkeit setzt ihm dagegen aber zu. Von einem Einsatz in Nassräumen und im Außenbereich ist deshalb abzuraten.


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