Dabei musste Jena vor gar nicht allzu langer Zeit schwere Rückschläge hinnehmen: Der traditionsreiche Standort der optischen- und feinmechanischen Industrie mit so klangvollen Namen wie Carl Zeiss und Schott stand nach der Wende praktisch vor dem Nichts. Alleine bei der Ausgliederung des neugegründeten Technologiekonzerns Jenoptik GmbH als Rechtsnachfolger des inzwischen privatisierten ehemaligen volkseigenen Kombinates Carl Zeiss gingen circa 17.000 Arbeitsplätze verloren, ein schwer verdaulicher Brocken für eine Stadt mit gerade mal 100.000 Einwohnern. Ergebnis des fast kompletten Zusammenbruchs der Wirtschaft war eine Abwanderungswelle der hoch qualifizierten Arbeitskräfte und ein Ausbluten der Stadt. Was danach kam, liest sich allerdings wirklich wie ein Märchen aus dem Paradies.
Die Stadt entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem modernen Forschungs- und Wissenschaftsstandort. Heute sind neben der Jenoptik und Carl Zeiss viele kleinere und mittelständige Firmen ansässig, die sich auf Biotechnologie, Pharmazeutik und andere Hightech-Sparten spezialisiert haben. Jenas Wirtschaft profitiert außerdem von der engen Verknüpfung mit der Wissenschaft. Die traditionsreiche Friedrich-Schiller-Universität, die Fachhochschule und etliche ansässige Institute bilden hoch qualifizierte Fachkräfte aus, die Jena zur Stadt mit der höchsten Akademikerdichte Ostdeutschlands macht. Kein Wunder, dass die Arbeitslosigkeit mit einer Quote von 6,9% weit unter dem Schnitt Ostdeutschlands (10,9 % Stand: August 2011) liegt.
Die attraktiven Bedingungen der Stadt wirken sich auch auf den Wohnungsmarkt aus. Durch die wirtschaftliche Stärke und steigende Studentenzahlen hat die Stadt einen geringen Wohnungsleerstand zu beklagen, was zu den höchsten Mietpreisen Ostdeutschlands führt. Je nach Standort, Zustand und Baujahr werden im Schnitt circa 6,30 €/m² fällig, ein Preis, der sogar noch deutlich über dem deutschen Durchschnittspreis vom 5,92 €/m² liegt.
Vielleicht hängen die Preise aber auch mit Jenas idyllischer Lage zusammen. Umrundet von Muschelkalkhängen, die Wärme speichern und Jena so zu einer der wärmsten Städte Deutschlands machen, schmiegt sich die Stadt entlang der Berge ins grüne Saaletal. Das Stadtzentrum wird weithin sichtbar vom „JenTower“, mit 149 Metern Gesamthöhe das zweithöchste Bürogebäude in Deutschlands Osten, markiert. Von dessen Aussichtsplattform hat man außerdem einen perfekten Überblick über Jenas historische Altstadt und ihren Sehenswürdigkeiten wie dem Volkshaus, dem Planetarium, übrigens das älteste noch betriebene seiner Art, oder der Stadtkirche. Von hier lässt sich auch das rege Treiben der Studenten beobachten, die, erschöpft von Vorlesungen und Lernen, in die Wagnergasse strömen, um dort in der Kneipenmeile die Akkus wieder aufzuladen. Studiert wird übrigens wenige Meter nebenan in einem Gebäude, das wohl wie kein zweites Jenas Vergangenheit mit der Zukunft verbindet: im ehemaligen Hauptwerk des Kombinates Carl Zeiss sind jetzt ein Shoppingtempel und Hörsäle der Universität untergebracht.