Zum Beispiel kann Offenbach seit 2003 selbst einen Wolkenkratzer vorweisen. Der ist zwar mit seinen 34 Etagen und 140 Metern Höhe nicht ganz so groß wie seine Kollegen in Frankfurt, steht dafür aber exemplarisch für die heutige wirtschaftliche Ausrichtung der Stadt als modernes Dienstleistungszentrum. Hierbei profitiert Offenbach vor allem von der zentralen Lage im Speckgürtel Frankfurts, die etliche Unternehmen dazu bewog, ihre Verwaltung oder Designbüros in Offenbach zu belassen oder anzusiedeln.
Es ist nämlich noch gar nicht lange her, da stand Offenbach am Scheideweg: Entweder Schlafstadt Frankfurts werden oder neu ausrichten, denn Offenbachs Rolle als breit aufgestellte Industriestadt verflüchtigte sich parallel zu den Unternehmen, die ihre Produktion mehr und mehr nach Fernost verlagerten. Besonders die Angestellten der Elektro- und Lederwarenindustrie, ein traditioneller Wirtschaftszweig der Stadt, litten unter dem Arbeitsplatzabbau.
Was blieb, waren die Produktionsstätten. Diese wurden nach und nach in Bürokomplexe umgebaut. Wo früher Maschinen standen, befinden sich jetzt Schreibtische und Computer, die den Offenbachern neue Arbeitsplätze bieten. Dennoch ist und bleibt die Stadt ein Sorgenkind Hessens: Die Arbeitslosenquote liegt mit 10,7 % (August 2011) deutlich über dem hessischen Schnitt. Dementsprechend gestalten sich auch die Mietpreise: Hier kostet eine Wohnung genau so viel wie im deutschen Durchschnitt von 5,90 €/m².
Offenbachs bewegte Industriegeschichte, insbesondere die der Lederwarenindustrie, ist heute ein Fall fürs Museum. Im deutschen Ledermuseum wird anhand von rund 30.000 Exponaten die Entwicklung von Lederwaren dokumentiert. Wer seine Holde auf eine Museumstour mitbringt, sollte aber vorgewarnt sein: Im eingegliederten Schuhmuseum wird Schuhmode aus vier Jahrtausenden gezeigt - ein längerer Aufenthalt ist mit weiblicher Begleitung garantiert. Dafür gibt es hier aber als besonderes Highlight Joschka Fischers berühmt-berüchtigte Amtsantritts-Turnschuhe.
Wer sich an Schuhen sattgesehen hat, sollte dem neo-barocken Büsing-Palais, dem Rumpenheimer und dem Isenburger Schloss unbedingt einen Besuch abstatten ? sie bieten Postkartenmotive en masse. Für Goethe-Fans sollte der Lili-Tempel, benannt nach seiner Verlobten Anna Elisabeth Schönemann, ganz oben auf der Besuchsliste stehen. Wer also in der Region Kultur erleben will, braucht nicht zwangsläufig ins benachbarte Frankfurt fahren.