Ärger um Lärm und Geruch im Haus

Gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz sind zweifelsfrei unverzichtbar, wenn mehrere Mietparteien zusammen in einem Haus wohnen. Natürlich hat man aber trotzdem das Recht auf Ungestörtheit und muss nicht alles akzeptieren - das gilt auch für Ruhestörung und Geruchsbelästigung.

Wie viel Lärm ein Mieter ertragen muss, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Zum einen hängt es von der Lage der Wohnung ab: So muss ein Mieter, der eine Wohnung direkt an Bahngleisen belegt hat, den Bahnlärm wohl oder übel ertragen. Wer einsam auf dem Land lebt, darf allerdings davon ausgehen, weitestgehend Ruhe zu haben. Genauso wird man als Mieter eines Hauses, das ausschließlich von Studenten bewohnt ist, wohl öfter mit Musik aus Nachbarwohnungen rechnen müssen, als wenn alle Mieter Rentner sind.

Geräusche von Wasser und Wasserspülungen müssen akzeptiert werden, auch nachts (AG Münster WuM 83, 236). Andere Lärmbelästigungen, etwa das lautstarke Öffnen und Schließen eines Garagentores, muss man hingegen nicht hinnehmen (OLG Düsseldorf WuM 91, 438). Sie berechtigen gegebenenfalls sogar zu einer Mietminderung.

Der Einsatz von Bohrmaschinen und Hämmern muss im Allgemeinen hingenommen werden, wenn der Lärm nicht während der Ruhezeiten und in erträglichem Ausmaß auftritt. Auch Kinderlärm muss in der Regel von den Nachbarn akzeptiert werden, obwohl die Eltern, besonders während der Ruhezeiten, darauf achten sollen, dass die Kinder möglichst leise sind und die anderen Mieter nicht stören. Auch für sonstigen Lärm aus nebenliegenden Wohnungen, wie Fernseher, Radios, Wasch- und Spülmaschinen oder Staubsauger gilt: Bewegt sich der Lärm im Bereich der Zimmerlautstärke und werden die Ruhezeiten eingehalten, ist er zu berücksichtigen.

Ist der Schallschutz im Haus mangelhaft und fühlen sich Nachbarn deswegen z.B. von der Musik eines Mieters gestört, die tatsächlich nur in Zimmerlautstärke läuft, ist der Mieter für die Belästigung nicht verantwortlich (OLG Düsseldorf WuM 97, 221). In diesem Fall muss der Vermieter für einen angemessenen Schallschutz sorgen.

Erheblicher Baulärm berechtigt zur Mietminderung (BayObLG RE WuM 87, 112). Dabei ist unerheblich, ob der Lärm z.B. aus der Nachbarwohnung kommt oder aus einem Haus gegenüber, auf das der Vermieter keinerlei Einfluss hat.

Als Mieter hat man verschiedene Möglichkeiten, sich gegen Lärmbelästigung zu wehren: Man hat Unterlassungs- und Abwehransprüche, kann sich ans Ordnungsamt wenden oder beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung beantragen, wenn Gespräche mit dem Lärmverursacher nicht helfen. In allen Fällen kann man auch vom Vermieter verlangen, sich darum zu kümmern, dass der Lärm aufhört. Ist keiner der anderen Mieter für den Lärm verantwortlich, ist die Mietminderung meist das sinnvollste Mittel.

Auch Geruch kann eine Belästigung sein. Gegen normale Kochgerüche ist nichts einzuwenden, auch dann nicht, wenn es im Treppenhaus stark riecht (AG Hamburg WuM 93, 39). Dringt aber aus einer Wohnung extremer Gestank, sodass es für die Mieter eine Belastung ist, das Treppenhaus überhaupt zu betreten, kann dem dafür verantwortlichen Mieter gekündigt werden (LG Braunschweig ZMR 2007, 536). Sind die Abdichtungen im Haus mangelhaft, so dass z.B. starker Zigarettengeruch aus Raucherwohnungen dringt, ist es Aufgabe des Vermieters, den Mangel zu beheben. Bis dies geschehen ist, haben die betroffenen Mieter das Recht zur Mietminderung (LG Stuttgart WuM 98, 724). Auch bei extremem Gestank durch Tierhaltung oder einem nebenliegenden Restaurant ist eine Mietminderung berechtigt.

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